Dreiland Filmfestival - Ein Rückblick

Die Band von nebenan

Das Dreiland-Filmfestival fand von 2002 bis 2008 in Görlitz/ Zgorzelec statt und hat viele zusammengeführt: ob Regisseur, Gast, Publikum oder Veranstalter- das Interesse am europäischen Nachbarn im Dreiländereck stand alle Jahre im Mittelpunkt und ist gewachsen: dank vieler Kurzfilme und Dokumentationen, persönlichen Begegnungen und interessanten Gesprächen haben wir gelernt, dass der Blick über den Tellerrand unterhaltsam ist und Spaß macht - das war die Maxime, nach welcher alle Beteiligten das Dreiland-Filmfestival jährlich auf die Beine stellten.

Das Dreiland – Filmfestival verstand sich in erster Linie als Ort der Begegnung und Kommunikation zwischen polnischen, tschechischen und deutschen Regisseuren.
Bevorzugt wurden junge Menschen angesprochen um Ihnen eine Plattform für eigene Produktionen zu geben und den Austausch zwischen Filmschaffenden verschiedener Nationen zu fördern.

Filmfestival-Besuch und Ferien mit Hund verbinden

Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist mit Hund eine geeignete Ferienwohnung oder ein Hotel zu finden, so reisten erstaunlich viele Besucher mit ihren geliebten Vierbeinern an. Es bietet sich natürlich auch an die Ferien mit Hund mit einem Besuch des Filmfestivals zu verbinden. Ich hoffe, die Vierbeiner hatten genauso viel Spaß wie Herrchen oder Frauchen.

Film-Highlight: Die Band von nebenan

Es war einmal eine verlorene Kapelle in der Wüste... Kaum jemand erinnert sich an diese Geschichte. So wichtig war sie nicht.

Sie sollen bei der Eröffnung eines arabischen Kulturzentrums spielen, doch als die achtköpfige ägyptische Polizeiband am Flughafen in Israel ankommt, steht niemand bereit, um sie abzuholen. Deshalb beschließt der starrköpfige Anführer Tawfiq (Sasson Gabai), auf Hilfe zu verzichten und sich stattdessen lieber selbst durchzuschlagen. Doch am Zielort, einer kleinen Ansammlung von gleichförmigen Betonklötzen mitten in der Wüste, wird schnell klar, dass eine undeutliche
Aussprache die Truppe nach Bet Hatikva statt nach Petah Tikva geführt hat. Da kein Bus mehr fährt, bringt die freundliche Bistro-Besitzerin Dina (Ronit Elkabetz) die Musikanten für eine Nacht bei Freunden und Bekannten unter. Während der zurückhaltende Witwer Tawfiy und die forsche Dina sich vorsichtig näher kommen, gibt der junge Frauenschwarm Khaled (Saleh Bakri) einem schüchternen, israelischen Jungen Nachhilfe in Sachen Flirten. Auch die anderen Bandmitglieder
erleben ihre kleinen Abenteuer mit den Einheimischen. Doch schon am nächsten Morgen muss die Kapelle wieder aufbrechen...

Am stärksten ist "Die Band von nebenan" immer dann, wenn er einen lakonisch-präzisen Blick auf die durch und durch absurden Aspekte der völkerverständigenden Konzertreise wirft: In Reih und Glied marschieren die Bandmitglieder in ihren babyblauen Uniformen durch die Wüste, stets peinlich genau auf die Wahrung von Würde und Respekt bedacht, während die vorbeikommenden Autofahrer über den lustig anzuschauenden Umzug spotten. Am Flughafen bittet ein Israeli um ein
Erinnerungsfoto, doch ein Putzmann versperrt – im Vordergrund Mülltonnen leerend - die freie Sicht. In diesen stark stilisierten Szenen, in denen die große Kluft zwischen der Eigen- und Fremdwahrnehmung der Kapelle aufgezeigt wird, verliert der Film niemals seine liebenswürdigeEinstellung gegenüber seinen musizierenden Protagonisten. Vielmehr wirkt der leise Humor stets sympathisch, gleitet nie in ein reines Vorführen menschlicher Schwächen ab. So erinnert der Witz
stark an den der amerikanischen Exzentrik-Regisseure – vor allem dem von Wes Anderson ("Rushmore", The Royal Tenenbaums) und Alexander Payne (Sideways). Besonders zu Paynes Jack-Nicholson-Komödie About Schmidt lassen sich gewisse Parallelen kaum absprechen.

"Viele Filme wurden gemacht, um der wichtigen Frage nachzugehen, warum es keinen Frieden gibt. Mein Eindruck ist, dass es sehr viel weniger Filme darüber gibt, warum wir Frieden eigentlich so dringend brauchen." (Regisseur Eran Kolirin)

Ebenso bedeutend wie der lakonische ist der versöhnende Blick auf das Geschehen. Seit dem Bestehen des Staates Israel wurde die Hälfte der Zeit Krieg mit den Ägyptern geführt, die andere herrschte ein "Kalter Frieden". Dem israelischen Regisseur Kolirin dienten für seinen Film sowohl Provokationen als auch Gemeinsamkeiten als Inspiration: So waren in seiner Jugend die Fernsehausstrahlungen von schmalztriefenden ägyptischen Melodramen die absoluten Straßenfeger. Auf der anderen Seite vergaßen die israelischen Behörden beim Bau eine neuen Flughafens, die Wegweiser auch ins Arabische zu übersetzen. Kolirin geht es jedoch nie um eine kritische Anklage, sondern um die Propagierung des Miteinander. Im Verlauf des Films offenbaren sich immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen den auf den ersten Blick so grundverschiedenen Kulturen. Doch trotz dieser kurzen Momente der Hoffnung schafft es keiner der Charaktere,
dauerhaft aus der Einsamkeit und seiner Isolation auszubrechen.

Fazit: "Die Band von nebenan" ist eine versöhnlich-melancholische Komödie, deren Stärke trotz eines ägyptischen Polizeiorchesters eher in den leisen Tönen liegt.

Foto Gallerie

Von Dreiland zu Neiße

Aus personellen Gründen musste das Dreiland Filmfestivals 2008 seine Veranstaltungstätigkeit einstellen. Seit 2009 führt das Neiße Filmfestival die regionale Tradition des deutsch-polnisch-tschechischen Kurzfilmwettbewerbs fort.

Fragen & Anregungen

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